Was bleibt von einem Auftrag,
wenn er längst bezahlt ist?
Special Project.
Seit 2018 steht in Zinder ein Wasserhahn, den es ohne meine Auftraggeber nicht gäbe.
Das hier ist seine Geschichte.
Wasserleitung
täglich gefüllt
jedes Auftrags ab 2026
belegt und dokumentiert
Vor über zehn Jahren schrieb mir ein Mann aus Zinder über Facebook. Mourtala Issa hatte eine Zeit lang für ein deutsches Hilfsprojekt gearbeitet und wollte den Kontakt nach Deutschland halten, nachdem das Projekt beendet war. Über viele Ecken fand er mich. Wir wurden Freunde.
Er schickte mir Bilder aus seiner Heimat — auf die er genauso stolz ist wie auf seine große Familie und seinen Glauben. Niger gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Vieles ist dort anders. Vieles ist gleich. Er erzählte von den schönen Seiten seines Lebens, aber auch von den Schattenseiten: von Krankheiten, die für uns brutal wirken. Vom täglichen Kampf um Wasser, Nahrung und Schutz. Vom Streben nach Bildung für seine Kinder. Und davon, dass selbst der seltene Regen zur Gefahr wird — Überschwemmungen, Krankheiten, einstürzende Lehmhäuser.
Irgendwann, nach vielen Monaten, habe ich ihn gefragt: Wie kann ich deiner Familie am besten helfen? Seine Antwort war eindeutig. Das größte Problem waren die Kilometer. Kilometer bis zum nächsten Wasser — das meistens nicht einmal sauber war.
Von einem Facebook-Kontakt
zu einer Wasserversorgung.
Ein Aufruf. Eine Erbschaft.
Ein Wasserhahn.
Ich rief meine Follower in den sozialen Medien auf, für Mourtala und seine Familie zu spenden. In kurzer Zeit kam ein großer Betrag zusammen. Durch einen glücklichen Zufall — eine kleine, längst vergessene Erbschaft — konnte ich diesen Betrag noch verdoppeln. Damit war das Geld für eine Wasserleitung da.
Wasseruhr, Ventile,
Behördengänge.
Ein Anschluss ans Netz ist kein Loch im Boden. Es braucht Genehmigungen, einen Zähler, Ventile — und einen, der bei jedem Schritt dabeisteht. Mourtala hat jeden Behördengang dokumentiert und jeden Beleg aufgehoben.
Aus dem Sand
ragte ein Hahn.
Mourtala dokumentierte jeden Schritt — in einer Gründlichkeit, die man deutsch nennen würde. Jede Ausgabe belegt, jeder Behördengang festgehalten (Niger ist in dieser Hinsicht offenbar sehr deutsch). Er organisierte Helfer und Bauarbeiten. In kurzer Zeit ragte ein einzelner Wasserhahn aus dem Sand. Keine Kilometer mehr. Sauberes Wasser, direkt vor Ort.
Paul Rudolf.
Es war Geld übrig. Mourtala fragte, ob er es zurücksenden solle — oder ob er mit dem Rest einen Platz um den Wasserhahn betonieren dürfe. Natürlich sagte ich zu. So entstand ein kleiner Platz der Hoffnung und des sauberen Wassers. Wir tauften ihn nach meinem Großvater: Paul Rudolf. Ihm verdanke ich die Erbschaft, die alles verdoppelt hat.
Bestellt. Reklamiert.
Endlich da.
Ein Tank für Zinder zu bestellen heißt: warten. Er kam, er war falsch, er ging zurück. Mourtala reklamierte, verhandelte, blieb dran. Dann stand er auf der Ladefläche eines Pick-ups — und wurde vom ganzen Viertel abgeladen.
Nachts fließt das Wasser.
Tagsüber nicht.
Das Projekt wuchs. Immer mehr Menschen kamen. Also musste das Wasser gespeichert werden — denn die Regierung stellt es tagsüber ab, um Verdunstung zu vermeiden. Nachts läuft es durch die Leitung in den großen Tank. Fundament bauen, Tank bestellen, reklamieren, warten. Dann endlich: in Betrieb.
Über hundert Kanister.
Jeden Tag.
Letztes Jahr haben wir den Tank um eine Pumpe erweitert — es wird immer mehr Wasser gebraucht und immer seltener verfügbar. Was heute an diesem Punkt passiert, lässt sich an den Kanistern ablesen: mindestens hundert werden täglich gefüllt, oft mehr. Aus der Hilfe für eine Familie ist die Versorgung einer Nachbarschaft geworden.
Mourtala steht
mittendrin.
Er verteilt nicht nur Wasser. Er organisiert die Ausgabe, schlichtet, sorgt dafür, dass alle drankommen — Nachbarn, Kinder, Familien, die nichts haben. Was als Hilfe für eine Familie begann, ist heute die Wasserstelle eines ganzen Viertels.
Pakete, die Wochen brauchen —
und immer ankommen.
Für die Bildung der Kinder — damit sie den Umgang mit dem Rechner lernen. Er steht auf einem Tisch, den Mourtala selbst gebaut hat.
Ein Werkzeug, das den Alltag erleichtert. Mourtala montiert sie selbst — wie alles, was in Zinder ankommt.
Aus Hilfe wird Selbstständigkeit: Sie sorgt für ein kleines eigenes Einkommen. Kleidung, die die Familie nicht braucht, verteilt Mourtala unter den Nachbarn.
Wasser ist der Anfang.
Nicht das Ende.
Das Geld fließt längst nicht mehr nur in das tägliche Wasser. Es fließt in die Schulausbildung der Kinder — in die Zukunft. Ich finanziere Schulgebühren, notwendige Operationen und dringende medizinische Behandlungen, Medikamente, Essen und Miete, wenn es anders nicht geht.
Es ist unglaublich, welchen Hebel ein kleiner Betrag hier vor Ort hat. Was bei uns eine Rechnung ist, ist in Zinder manchmal eine Operation. Oder ein Schuljahr.
vom Reingewinn jedes Auftrags
gehen nach Zinder.
Längst finanziere ich das Projekt nicht mehr allein — es gibt Unterstützer, die einmalig oder immer wieder spenden. Ab diesem Jahr überweise ich zehn Prozent vom Reingewinn jedes Auftrags an Mourtala. Wofür das Geld verwendet wird, entscheiden wir gemeinsam. Kleinste Beträge sind dort ein riesiger Hebel.
Es gibt keinen Verein.
Und keine Spendenquittung.
Das muss ich offen sagen: Es existiert bislang kein eingetragener Verein, deshalb kann ich keine Spendenbelege ausstellen. Wer das braucht, ist hier falsch.
Was ich stattdessen garantieren kann: Jeder Betrag kommt zu hundert Prozent genau dort an, wo er gebraucht wird. Mourtala Issa ist jederzeit erreichbar, gibt herzlich gerne Auskunft über die genaue Verwendung und weist alles mit Belegen nach. Er dokumentiert seit Jahren jede einzelne Ausgabe — ohne dass ihn jemand darum bitten müsste.
Ich bewundere diesen Mann. Er gibt niemals auf, meistert Schwierigkeiten, die ich mir kaum vorstellen kann, und schickt mir für wirklich alles einen Beleg.
Mourtala Issa.
Er ist der Grund, warum dieses Projekt funktioniert. Nicht ich. Ich habe Geld organisiert — er hat gebaut, verhandelt, dokumentiert, verteilt und weitergemacht, auch als es schwierig wurde. Auch während Covid, als die Pakete Wochen brauchten. Sie kamen trotzdem an. Immer.
Aber stell dir vor, wie sich hunderte Menschen in Zinder darüber freuen.
Was zu #waterforzinder gefragt wird.
Was ist #waterforzinder?
Ein privates Hilfsprojekt in Zinder, Niger. Seit 2018 ist dort aus Spenden eine Wasserversorgung entstanden: erst ein Wasserhahn, dann ein befestigter Platz, 2024 ein großer Speichertank, 2025 eine Pumpe. Täglich werden mindestens hundert Kanister gefüllt. Vor Ort verantwortet und dokumentiert wird alles von Mourtala Issa.
Fließen zehn Prozent jedes Auftrags wirklich nach Zinder?
Ja. Ab 2026 gehen zehn Prozent vom Reingewinn jedes Auftrags an das Projekt. Wofür das Geld eingesetzt wird, entscheiden Jens Achtert und Mourtala Issa gemeinsam.
Kann man eine Spendenquittung bekommen?
Nein. Es gibt bislang keinen eingetragenen Verein, daher können keine Spendenbelege ausgestellt werden. Dafür kommt jeder Betrag zu hundert Prozent an — Mourtala Issa weist jede Ausgabe mit Belegen nach und gibt jederzeit Auskunft.
Kann man das Projekt zusätzlich unterstützen?
Ja. Es gibt Unterstützer, die einmalig oder regelmäßig spenden. Kleinste Beträge haben in Zinder eine große Wirkung. Wer helfen möchte, kann sich direkt per E-Mail an contact@imagecouture.de wenden.
Warum macht ein Fotograf so ein Projekt?
Weil ein Auftrag mehr sein kann als ein Auftrag. Aus einer Facebook-Bekanntschaft wurde eine Freundschaft, aus der Freundschaft ein Wasserprojekt. Es ist der Teil der Arbeit, der über die Bilder hinausgeht.
